Zeitungsberichte

„Gegen den Habi zu knallen, ist immer schwierig“

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Ein Abteilungsleiter spielt für die Konkurrenz: Hohenlohes bester
Badmintonspieler wechselt von Künzelsau nach Schwäbisch Hall

Von Klaus Thomas Heck

Zeitungsartikel vom 1.7.2002

Montag, 18 Uhr. Zwei Dutzend Federballer haben sich in der Eberhard-Gienger-Halle in Künzelsau versammelt, die meisten zwischen 11 und 14 Jahren. Sie schreien, rennen, lachen – und wuseln um Rolf Hartbrich herum. Der 39-Jährige ist das sportliche Aushängeschild des TSV, Jugendtrainer und
seit Ende letzten Jahres Badminton-Abteilungsleiter. Ein hagerer Schlaks von Einszweiundneunzig, ständig umringt von einer Gruppe Halbstarker. Eine Dreiviertelstunde soll das Aufwärmtraining dauern, zum Schluss werden fast anderthalb daraus. Ballspiele, Fangen, zwischendurch gibt’s für jeden ein Eis. Die Kleinen sind begeistert.

"Wir müssen mehr für den Nachwuchs tun", meint Hartbrich hinterher. Eine Menge alte Haudegen spielen beim TSV, doch im Jugendbereich klafft eine große Lücke. "Erst mit 14 Jahren kommen wieder ein paar nach, meist Mädchen."
Bei den Senioren ist es umgekehrt: Da fehlen die Damen. Für den TSV hat der Nachwuchs-Mangel bittere Konsequenzen: Nachdem mit Heidi Scheufler und Michael Pfeiffer zwei Leistungsträger aufhören, wechselt Hartbrich zur Konkurrenz. Die erste Mannschaft wurde aus der Landes- in die Bezirksliga zurückgezogen.

"Das tut sehr weh", meint Hartbrich, der langjährige Teamchef. "Der menschliche Zusammenhalt in Kü’au ist einmalig." Hohenlohes bester Badmintonspieler verstärkt ab der kommenden Saison den Verbandsligisten PSV Schwäbisch Hall. Als Nummer eins, natürlich. "Es gab Anfragen aus der Oberliga, aber da hatte ich in Hall schon zugesagt." Als Trainingspartner bleibt er in Künzelsau.

Hartbrich zählt zu den Spätzündern im Federballsport, wo die meisten Spitzenspieler mit acht oder zehn Jahren beginnen. "Mit 24 habe ich angefangen. Ein Freund hatte mich mitgeschleppt und meinte: ,Sobald Du gegen mich gewinnst, höre ich auf mit Badminton.’" Anderthalb Jahre später war es soweit.

Der Künzelsauer machte Karriere: Mehrfach wurde er Baden-Württembergischer Meister der Altersklasse O32, im Doppel sogar Südostdeutscher Meister. Die Rückhand von Grundlinie zu Grundlinie ist sein Paradeschlag, "außerdem gebe ich nie auf". Ein unangenehmer Gegner: äußerlich die Ruhe selbst, technisch brillant. Seine Spezialität ist die Abwehr.
"Gegen den Habi zu knallen, ist immer schwierig", sagt Dieter Scheufler, der die Badminton- Abteilung des TSV vor 30 Jahren ins Leben rief. Was fehlt, ist die Genauigkeit der Schläge. Hartbrich: "Aber in Kü’au merkt das keiner."

Die letzte Punktspiel-Niederlage im Einzel liegt Jahre zurück. In der Rangliste des Baden-Württembergischen Badminton-Verbandes ist er Elfter, obwohl fast alle Konkurrenten wesentlich jünger sind. Nächstes Ziel? "Die Top Ten."

In Künzelsau fehlen gute Gegner. "Da verliert er nie, das ist schon frustrierend", meint Mitspieler Rainer Mitsch. "Als Trainingspartner ist der Habi super. Aber als Gegner? Nee, lieber nicht." Zwei Mal pro Woche wird geübt. Seinen Kick holt Hartbrich sich dann Samstag und Sonntag auf den Turnieren. 30 Wochenenden verbringt er jedes Jahr mit Badminton. In Kornwestheim, Markgröningen und Südtirol war er zuletzt, als nächstes steht Korntal auf dem Programm. Das Highlight gibt’s im September: die Washington Open. Echte Federballer nehmen ihren Schläger eben mit in den Urlaub.

Im normalen Leben ist Hartbrich Software-Entwickler, in seiner Freizeit Sport-verrückt. Die letzte Meniskus-Operation liegt einen Monat zurück, "zwei Wochen später stand ich wieder auf dem Feld". Die Liste seiner Sportarten ist lang: Schwimmen, Tennis, Faust-, Basket-, Hand- und Volleyball. "Da war ich überall mal in ’ner Mannschaft." Im Minutentakt fallen ihm weitere ein. Tauchen zum Beispiel. Neuerdings reitet er, fährt Mountain-Bike und Inline-Skates. "Aber am wichtigsten ist mein Umfeld. Freunde, auf die man sich blind verlassen kann, und die Gesundheit." Und gleich danach kommt vermutlich Badminton.

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